Geschichte - haus lauchheimer

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Das Haus Lauchheimer


Geschichte des Hauses Lauchheimer in Jebenhausen“

Im Jahr 1777 unterzeichnet eine Delegation jüdischer Familien einen Schutzbrief der Ortsherrschaft von Liebenstein und setzt damit den Grundstein einer jüdischen Siedlung in Jebenhausen. Das Wachstum der israelitischen Gemeinde erreicht seinen Höhepunkt in der Mitte des 19. Jahrhunderts, bis sich durch Abwanderungen die jüdische Gemeinde in Jebenhausen auflöst und sich anfangs des 20. Jahrhunderts der Tochtergemeinde Göppingen anschließt.


Schloss Liebenstein

Inge Auerbacher als Kind zwischen Großeltern Max und Betty Lauchheimer. Daneben Inges Mutter, Regine Auerbacher, Cousine Lore Breslau (umgekommen in Polen). Im Fenster: Inges Vater, Berthold Auerbacher.

Familie Lauchheimer

Max Lauchheimer verstarb am 26. Mai 1939 in Jebenhausen. Er hatte sich von seiner Inhaftierung im KZ Dachau nie wieder erholt. Als letzter jüdischer Bürger wurde er auf dem Judenfriedhof in Jebenhausen bestattet.
Seine Frau Betty wurde 1941 nach Lettland deportiert und in einem Wald nahe Riga von den Nationalsozialisten erschossen. Zwei Stolpersteine am Vorderen Berg 23 erinnern an Betty und Max Lauchheimer.
Ihr Tochter Regine Auerbacher, deren Mann Berthold Auerbacher und deren Tochter Inge wurden 1942 von Göppingen aus in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert und überlebten den Holocaust wie durch ein Wunder.


Die Familie Auerbacher emigriert nach dem Krieg in die USA, dort beginnt in den 80er Jahren Inge Auerbacher ihre Kindheitserinnerungen aufzuschreiben. Mit ihrem in acht Sprachen übersetzten autobiographischen Buch „ Ich bin ein Stern“ wird sie weltberühmt.

Das Wohnhaus der Familie Lauchheimer in Jebenhausen wurde verkauft und diente bis in die 90er Jahre als Wohnhaus. Dank der Bemühungen des evangelischen Gemeindepfarrers Arnold Kuppler wurde das Gebäude 2005 als Kulturdenkmal ausgezeichnet und so vor dem Abriss bewahrt.




Ich bin ein Stern


Haus Lauchheimer vor der Renovierung

Haus Lauchheimer heute


Dieses Wohnhaus steht als  eines der letzten Gebäude der Jüdischen Siedlung in Jebenhausen an der ehemals Vorderen Judengasse genannten Straße. Nach seinen baulichen Merkmalen wurde das Haus in der Zeit um 1800 errichtet, womit es in die Expansionsphase der 1777 gegründeten jüdischen Gemeinde fällt.

Bei dem Gebäude - jetzt Vorderer Berg 23-  handelt es sich um ein noch recht gut überliefertes Beispiel des –neben einem eingeschossigen Haustyp- ursprünglich verbreiteten zweigeschossigen Typs. Es ist in Teilen mit Gewölbe unterkellert, verputzter Fachwerkbau mit Satteldach und mittigem Dachhaus.


Dies, sowie die axiale Fensteranordnung und ein stark profiliertes Traufgesims kennzeichnen das klassizistisch geprägte schlichte Äußere des Hauses. Der Grundriss ist traufseitig erschlossen und ist in seiner Struktur im Wesentlichen erhalten. Zu Wohnräumen umfunktioniert wurde allerdings der Stall im nordöstlichen Teil des Erdgeschoßes. An historischer Ausstattung überkommen sind neben der wohl bauzeitlichen Treppe einige Wohnräume, die durch rahmende Deckenstuckprofile aufgewertet sind sowie Türen aus dem 19. Jahrhundert. Im Dachgeschoss sind einfach ausgestattete Kammern, zum Teil mit unbekleideter Dachuntersicht und mit Farbfassung auf den übermalten Fachwerkwänden erhalten geblieben.

Jüdische Häuser in Jebenhausen


Das Wohnhaus ist eines der wenigen, noch in großen Zügen anschaulich überkommenen Gebäude der früheren jüdischen Siedlung Jebenhausen und deshalb ein wichtiges historisches Dokument. Es ist ein Kulturdenkmal nach §2 DSchG Baden-Württemberg aus wissenschaftlichen(kulturwissenschaftlichen, bau- und sozialgeschichtlichen) sowie aus heimatgeschichtlichen Gründen. An seiner Erhaltung besteht aus exemplarischen und dokumentarischen Gründen ein öffentliches Interesse. (RP Stuttgart Denkmalpflege)
Der vorige Besitzer hat lange Zeit versucht dieses Gebäude zu verkaufen. Mangels Interessenten hat er im Frühjahr 2010 bei der Stadt Göppingen als unterste Denkmalbehörde die Erlaubnis zum Abriss beantragt.

Dies wollte der Verein „Haus Lauchheimer Jebenhausen“ verhindern. Mit Hilfe von Beiträgen der Mitglieder, Spenden und öffentlichen Zuschüssen sollte das Gebäude vom Verein erworben, umgebaut und einer sinnvollen Nutzung zugeführt werden.


Im Oktober 2013 wurde das ehemalige Jüdische Wohnhaus vom Besitzer an einen Privatunternehmer verkauft. Dieser hat das Gebäude saniert und vermietet.

Eine Kooperation mit dem Verein hat der neue Eigentümer auch aus Kostengründen abgelehnt. Das Verhältnis zwischen ihm und dem Vereinsvorstand steht trotzdem auf einer konstruktiven Basis.
Die Mitgliederversammlung hat am 7.11. 2014 beschlossen, dass die Arbeit des Vereins weitergehen soll. Geplant sind 2-3 Veranstaltungen im Jahr und die Erstellung eines Lern-/Erinnerungsweg in Jebenhausen zur ehemaligen jüdischen Besiedelung.
Das Projekt Erinnerungsweg „Jüdisches Leben in Jebenhausen“ wurde mit der Eröffnungsfeier am 13.10.2017 abgeschlossen. Siehe "Erinnerungsweg".


 
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